18.03.2016 / Feuilleton / Seite 10

Showtime!

Kreuzberger Notizen

Eike Stedefeldt

Aufgrund von Sitzblockaden vor dem Wohnhaus und in der Wiener Straße war es der Polizei zunächst nicht möglich, die Gerichtsvollzieherin auf direktem Weg ins Haus zu bringen. Sie tarnten sie mit einer Polizeiuniform und brachten sie über die Hinterhöfe der Wiener Straße 13 in die Lausitzer Straße 8.« Lachen Sie nicht, das ist keine Szene aus einer drittklassigen Komödie. So sieht das aus, wenn sich der Rechtsstaat nackig macht. Am hellichten Tag, mitten in Kreuzberg. Und offenbar gibt es Gerichtsvollzieherinnen, die Selbstverachtung genug erworben haben, sich derart vorführen zu lassen. Sexismus hat viele Gesichter. Wenn man hinsieht. Wer noch tiefer blickt, erkennt die unwiderstehliche Wollust, die darin liegt, Macht über das Leben anderer auszuüben – und sei es als Stellvertreterin.

Was der Familie Gülbol aus der Lausitzer 8 widerfuhr, ist nur ein Beispiel von tausenden in Berlin, wurde aber zum Fanal. »Die Zwangsräumung einer Familie im Februar 2013 in ...

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