10.03.2016 / Feuilleton / Seite 10

Nichts als Beton

Elena Chizhova erzählt vom Einzug des Kapitalismus in Russland

Sandro Abbate

Sankt Petersburg Anfang der neunziger Jahre. Unter dem Namen Leningrad war die ehemalige Zarenstadt bald ein Dreivierteljahrhundert Teil der UDSSR. Mit dem Zusammenbruch des Sowjetsystems besteht die gewohnte Ordnung, nicht von jedermann geliebt, aber vertraut, mit einem Mal nicht mehr. Es ist eine Zeit, in der viele vor dem Nichts stehen – ihrer Aufgabe beraubt, voller Ungewissheit. »Die Zivilisation, in der wir aufgewachsen sind, ist untergegangen und hat nichts als Gebäudeblocks aus Beton hinterlassen«, heißt es in Elena Chizhovas Roman »Die Terrakottafrau«.

Da viele Männer resignierten, war es vor allem an den Frauen, Verantwortung zu übernehmen. Eine dieser Frauen ist die Literaturwissenschaftlerin Tatjana. Früher lehrte sie Russisch an der Universität, heute gibt sie Nachhilfe und reiht sich in die Schlange vor der Lebensmittelausgabe ein, um ihrer Tochter Essen auf den Tisch stellen ...

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