09.03.2016 / Feuilleton / Seite 11

Das Roulette dreht sich weiter

Die Staatliche Kunsthalle in der Millionärsstadt Baden-Baden zeigt klug und poetisch eine Bildgeschichte der Ökonomie

Carsten Otte

Mitten in einer der reichsten Gemeinden Deutschlands steht eine goldglänzende Metallsäule. Plötzlich klackert es in der seltsamen Skulptur, dann fliegen Euro-Münzen auf die Straße. Ein Kind sieht das Spektakel, hebt die Münzen auf. Der Vater erklärt, das sei Kunst. Innerhalb der Skulptur befinde sich ein Zufallsgenerator, der in unregelmäßigen Abständen Euro-Münzen auswerfe. Das Kind ist begeistert. Diese Kunst mag es. Nebenan befindet sich die beste Eisdiele der Stadt. Doch das Eis kann warten. Vielleicht spuckt die goldene Säule ja noch mehr Geld aus. Warum, fragt das Kind, kommen keine Flüchtlinge hierher, die bräuchten doch Geld. Der Vater zögert eine Weile, dann sagt er, kein Flüchtling könne sich vorstellen, dass hier Geld verschenkt werde. Die Fragestunde aber ist längst nicht beendet. Denn das Kind will auch wissen, wer das Geld in die Säule gesteckt habe und wer das alles bezahle. Das Museum, das Land … letzten Endes, antwortet der Vater, zahle ...

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