05.03.2016 / Wochenendbeilage / Seite 6 (Beilage)

Die Allee

Klaus Esterluß

Für Jakob ist die Allee nicht mehr seine Allee. Das sagt er oft, wenn er von Früher spricht. Man muss ihn nur fragen. Jakob lebt hier schon eine lange Zeit, hat die Allee aufgesogen, wie andere Wasser mit einem Schwamm. Sitzt man mit Jakob zusammen, erzählt er, wie das damals mit dem Sternecker war. Und von der Straßenbahn, die er noch Elektrische nennt. Davon, wie es mit der Allee angefangen hat, wie es mit ihm selbst angefangen hat. Beim einem Schwof war das. Wie lange her weiß Jakob, dessen vollständiger Name Jakob Krug lautet, nicht mehr genau. Auch sein Alter ist nicht wichtig, weil es sich nicht verrät. Er hat kein faltiges Gesicht, kaum graue Haare oder braune Flecken auf den Händen. Alles was Anhalt geben könnte, gibt es nicht. Jakobs Körper schweigt, er hat das Alter, scheint es, weggebügelt.

Das Haus, in dem er lebt, ist dagegen offensichtlich alt. Es ist eines der wenigen Häuser in der Allee, die noch nich jemacht sind. Wo noch keener neuen Putz...

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