03.03.2016 / Ansichten / Seite 8

Gezielte Enthemmung

Tote durch Polizeigewalt

Sebastian Carlens

Die deutsche Polizei darf in den allermeisten Bundesländern gezielt tödliche Gewalt anwenden, wenn keine anderen Mittel zur Abwendung von Gefahren für Dritte bestehen. Zusammengefasst wird die entsprechende juristische Regelung, die sich in vielen Landesgesetzen findet, unter dem Euphemismus »finaler Rettungsschuss«. Eingeführt wurde diese staatliche Lizenz zum Töten 1972. Polizisten trainieren seitdem den Treffer direkt ins Stammhirn, der zu augenblicklicher Handlungsunfähigkeit führen soll. Der »Rettungsschuss« ist nichts anderes als ein auf letale Wirkung optimierter Akt staatlicher Gewalt. Und dennoch: Verglichen mit dem, was die BRD in den letzten Jahren an eskalierender Polizeibrutalität erlebt hat, handelt es sich dabei fast noch um eine theoretische Trockenübung.

Denn der schnelle Griff zum Hüftholster ist längst eine Art Gewohnheitsrecht geworden. Verurteilt werden Polizisten so gut wie nie, wenn sie ei...

Artikel-Länge: 2863 Zeichen

Willkommen bei der Tageszeitung junge Welt

Zum Aufrufen dieser Seite ist ein Onlineabo erforderlich.

Bitte einloggen

Hilfe und Informationen

Abo abschließen

Welche Vorteile bietet ein Onlineabo?

  • Zugriff auf das Archiv seit 1997, alle Artikel und Recherchewerkzeuge.
  • E-Mail-Abo im Text-, HTML- oder E-Pub-Format.
  • Zugriff auf Seiten im PDF-Format.
  • Verwalten eigener Lesezeichen.

Zur aktuellen Ausgabe