25.02.2016 / Feuilleton / Seite 11

Goldader im Keller. Franz Xaver Kroetz zum 70.

Den »Plan Verbesserung der Menschheit durch Dichtung« habe er »ad acta gelegt«, teilte Franz Xaver Kroetz vor fünf Jahren im Münchner Merkur mit. Anlass war sein 65. Geburtstag, und die Mitteilung kam nicht überraschend. Schließlich hatte der Dramatiker schon länger immer wieder erfolglos »versucht zu schreiben, aber da kommt nichts«. Da sei »irgendwie eine Goldader zu Ende«, befand er. »Es ist nichts mehr da, es ist vorbei.«

Das schriftlich geführte Gespräch mit dem ultrakonservativen Merkur war »Altern ist ein Massaker« überschrieben. Kroetz gelobte darin, auf seine alten Tage nicht zum Spießer zu werden. Die Begründung war außergewöhnlich: »Sogar die DDR, an der ich ein paar gute Haare lasse, hat mich mit ihrem verlogen-spießigen Realsozialismus zur Weißglut gebracht.« Das muss in den acht Jahren gewesen sein, in denen Kroetz DKP-Mitglied war. Zweimal kandidierte er für die Partei bei Bundestagswahlen auf der Landesliste Bayern, 1...

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