25.02.2016 / Feuilleton / Seite 10

Vom Verschwindenlassen

Deutsche Zustände: Heinz Jürgen Schneider hat einen politischen Kriminalroman geschrieben

Arnold Schölzel

Die Frage, wer’s war, bleibt in Heinz Jürgen Schneiders »Im Land der Lügen« offen. Sein »politischer Kriminalroman«, so der Verlag, endet mit einem Dialog zwischen der Hauptfigur, dem linken Journalisten Ole Frei, und einem Anwalt: »Wege müssen bis zum Ende gegangen werden. Auf toten Gäulen durch das Ziel, um es mit Heiner Müller zu sagen.« – »Und mit Ergebnis?« – »Wir warten noch drauf.« Zwei Verbrechen, in die staatliche Stellen verwickelt sind, werden kriminalistisch nicht aufgeklärt, wohl aber politisch.

Schneiders Ansatz ähnelt dem in Wolfgang Schorlaus »Die schützende Hand«. In dessen Buch wird die fiktive Ermittlung zum NSU auf den Boden belegbarer Fakten, die sich in Ermittlungsakten, Protokollen von Untersuchungsausschüssen und Obduktionsberichten finden, gestellt – ein Krimi mit Fußnoten. Die gibt es bei Schneider nicht, dennoch ist seine Erzählung in höchstem Maß realitätsgesättigt. In beiden Romanen kommt es so zu keiner Fallauflösung.

Dabei sin...

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