24.02.2016 / Feuilleton / Seite 11

Sachsen, Nazis und Mentoren

Deutschland hat kein »Flüchtlingsproblem«, sondern ein Problem mit Deutschen

Wiglaf Droste

Es war ein gebürtiger Sachse, der schrieb: »Vom andern aus lerne die Welt begreifen.« Der Mann kam 1883 als Hans Bötticher in Wurzen zur Welt, drei Jahre später zog die Familie nach Leipzig, wo es zu der Zeit üblich war, schwarze Menschen wie exotische Tiere in Zoos und Menagerien auszustellen. Als der Schüler Hans Bötticher sich von einer Samoanerin, die ihn faszinierte, tätowieren ließ, wurde er in der Schule brutal gezüchtigt und der Anstalt verwiesen.

Im Alter von 17 Jahren wurde er Schiffsjunge und erlebte am eigenen Leib weitere Drangsal und Menschenquälerei. Im Ersten Weltkrieg ging er zur Marine und wurde Kommandant eines Minensuchboots; zwar war er tendenziell unpolitisch, doch ein so anständiger und loyaler Mann, dass die revolutionären Matrosenräte ihn bei ihren Versammlungen duldeten und sprechen ließen. Nach dem Krieg verschlug es ihn quer durchs Land, er wurde Dichter und erlangte unter dem Namen Joachim Ringelnatz Bekanntheit, ja Berühmtheit...

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