24.02.2016 / Ausland / Seite 6

Rechte Selbstzerfleischung

Die Kampagne gegen Lech Walesa in Polen grenzt ans Absurde

Reinhard Lauterbach, Nekielka

Am Montag sah es vor dem Dienstgebäude des »Instituts für Nationales Gedenken« (IPN) in Warschau aus wie vor einer Kaufhalle in der VR Polen, in der eine Lieferung kubanischer Apfelsinen erwartet wurde – eine lange Schlange hatte sich gebildet. Fast 100 Journalisten drängten sich im Schneeregen vor der Tür, hinter der um Punkt 12 Uhr die mutmaßliche IM-Akte von Lech Walesa zugänglich gemacht werden sollte.

Wer hineinkam, der bekam eine Mappe mit Farbkopien vergilbter Papiere aus den Jahren 1970 bis 1976 ausgehändigt und durfte mit eigenen Augen noch einmal lesen, was das Institut bereits am vergangenen Donnerstag in groben Zügen mitgeteilt hatte: die Verpflichtung des nach den Dezemberstreiks von 1970 festgenommenen, damals 27jährigen Lech Walesa, verheiratet, Bildungsabschluss: Volks- und Berufsschule, Tätigkeit: Elektriker, Arbeitsplatz: Lenin-Werft, zu einer Tätigkeit als Informant der polnischen Staatssicherheit. Sein Deckname: Bolek – nach dem Vorname...

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