23.02.2016 / Feuilleton / Seite 10

Ausleuchtung der Grauzone

Wirtschaft als das Leben selbst

Helmut Höge

Für den Soziologen Heinrich Popitz war die Dunkelziffer fast wichtiger als die Zahl der Erfassungen von Vorgängen in einem Staatswesen. In der Februarausgabe des Merkur ist Andreas Bernard auf dessen 68er-Aufsatz »Über die Präventivwirkung des Nichtwissens, Dunkelziffer, Norm und Strafe« zurückgekommen.

Die »Geltung der Normen« ist für Popitz daran gebunden, dass nicht jede einzelne Übertretung aufgedeckt und bestraft wird. Dies wäre weder verwaltungstechnisch möglich noch moralisch erwünscht, denn das Bewusstsein des tatsächlichen Ausmaßes der Regelverstöße würde zu einer »Abstumpfung der Sanktionsbereitschaft« (er meint wohl: »Sank­tions­befürchtung«) führen, wodurch die gesellschaftlichen Normen ihre »Schutzfunktion« verlören.

Die Dunkelziffer eröffnet hierbei einen Ausweg: »eine Sphäre, in der sich das Normen- und Sanktionssystem nicht beim Wort nehmen muss, ohne doch seinen Geltungsanspruch offenkundig aufzugeben … Sie ermöglicht … eine Unschärferelati...

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