22.02.2016 / Feuilleton / Seite 10

Vortäuschung von Abscheu

Deutsche fühlen menschlich, Russen tun nur so. Die kriegerische Großklappigkeit des Jan Fleischhauer

Wiglaf Droste

Auch der Hass gegen die Niedrigkeit / verzerrt die Züge. / Auch der Zorn über das Unrecht / Macht die Stimme heiser«, heißt es in Bertolt Brechts großem Gedicht »An die Nachgeborenen«. Das stimmt, man kann es sehen und hören. Bei manchen Lesern vollzieht sich der Prozess der Hässlichwerdung bei oder direkt nach der Lektüre einer Spiegel online-Kolumne von Jan Fleischhauer, der den deutschen Ableger von Roger Köppel gibt, seitdem er entdeckte, wieviel Konjunkturpotential im Gejammer über ein links angehauchtes, grün-alternatives Elternhaus steckt.

Wenn Fleischhauer sich seine Vortäuschung von Abscheu allerdings selber zu glauben beginnt, auf die eigene Propaganda hereinfällt und sie dann dem Gesetz des Effektgewinns folgend steigern muss, läuft ihm der Quark vollends aus dem Ruder, und er wird vom leicht vorhersehbaren, verlässlich plumpen Polemiker zum Bauchredner schierer Gemeinheit. In seiner jüngsten Kolumne »Flüchtlinge als Waffe« vom 16. Februar schre...

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