18.02.2016 / Feuilleton / Seite 11

Die zivilisiertesten Männer der Welt

Wo die Aggression herkommt: Im Panorama gibt »Goat« einen Einblick in die Rituale von US-Studentenverbindungen

Kai Köhler

Zweimal muss der junge Brad (Ben Schnetzer) im US-Indiefilm »Goat« (Ziege) arge Prügel einstecken. Beim ersten Mal bezahlt er für den Fehler, zweifelhafte Gestalten nachts als Anhalter mitzunehmen. Beim zweiten Mal absolviert er ein Aufnahmeritual der Studentenverbindung Phi Sigma Mu, die ein Ehemaliger (Koproduzent James Franco in einem brillanten Kurzauftritt) als Versammlung der zivilisiertesten Männer der Welt bezeichnet.

Für die Teilhabe an dieser Variante der Zivilisation müssen die Kandidaten sich schlagen und demütigen lassen. Sie müssen sich ekelhafte Mixturen einverleiben, bis zum Erbrechen, bis ins Alkoholdelirium. Gefesselt werden sie wie im Foltergefängnis von Abu Ghraib aufgehäuft und fotografiert. Ist die »Hell’s week« überstanden, folgt im holzgetäfelten Raum des Verbindungshauses die vornehme Aufnahmezeremonie.

Dies anzuschauen ist mitunter eine Zumutung, aber die Darstellung der sadistischen Quälereien wird nie Selbstzweck. Unter de...

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