15.02.2016 / Feuilleton / Seite 11

Ein eindimensionaler Nachbau

Herbert Marcuse, verpackt im Autohafen von Malmö: »Yarden« im Forum

Christof Meueler

Endlich eine Nummer werden. Der schwedische Film »Yarden« von Måns Månsson handelt von der Verwandlung eines erfolglosen Schriftstellers (Anders Mossling) in einen lost und lonely Lohnarbeiter, der seinen Namen ablegen muss, um in den unendlichen Weiten eines Autoverladeterminals im Hafen von Malmö nur noch als Nummer »11811« zu existieren. Namen sind hier abgeschafft, noch konsequenter als im Gefängnis.

Die Leiharbeitsfirma, die den Dichter dort hingeschickt hat, heißt selbstverständlich »Dreamworks«. Bei der Einstellung wurde er gefragt, ob er »nicht für die Medien arbeiten« wollte. »Nein, ich möchte nicht für die Medien arbeiten«.

Bücher will er auch nicht mehr schreiben. Sein letztes Buch war ein »Scheiß-Buch«, sagt er seiner Agentin. Wer kauft schon Lyrik? In der ersten Szene des Films liest er daraus ziemlich langweilig-pathetisches Zeug vor einem halben Dutzend regungsloser Zuhörer. Anschließend überreicht ihm die Veranstalterin einen Strauß roter Ro...

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