11.02.2016 / Feuilleton / Seite 11

Tschechische Eröffnung. »Ich, Olga Hepnarova« im Panorama

Peer Schmitt

Das Panorama eröffnet heute tschechisch mit »Ich, Olga Hepnarova«. Dieses Spielfilmdebüt zweier Prager Dokumentarfilmer spielt in der CSSR der frühen 70er. Passenderweise in Schwarzweiß. Der Titelfigur (Michalina Olszanska) geht es zunächst darum, ihrer Prager Kleinbürgerfamilie (Mutter Zahnärztin, Vater Bankangestellter) zu entfliehen. Sie zieht in eine Laube in der Provinz, lässt sich zur Lkw-Fahrerin ausbilden. Ansonsten ist sie ein harter Brocken. Stets läuft sie leicht vornübergebeugt, als hätte sie an der Last der Welt schwer zu tragen, und raucht fast ununterbrochen. Und zwar betont »unfeminin«. Meist hält sie die Zigarette nicht »normal« zwischen Zeige- und Mittelfinger, sondern zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger so wie ein richtig viriler Prolo, prädestinierter Delinquent, hartgesottener Übeltäter. Anders gesagt, sie hält die Zigarette so, als trage sie mit ihr bereits ein Kainsmal. Zur (Selbst-)Inszenierung als Verfemte passt ihre Homosex...

Artikel-Länge: 3667 Zeichen

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