11.02.2016 / Kapital & Arbeit / Seite 9

Gesucht: Polski Gasprom

Industriepolitik ist kein Spaziergang. Das merkt man derzeit in Warschau. Dort werden Fusionspläne für »strategische« Unternehmen geschmiedet

Reinhard Lauterbach

Polen zeichnet von sich gern das Bild, einem dem US-amerikanischen Modell angenäherten Kapitalismus zu huldigen. Das stimmt nur auf der Ebene der unentwickelten Arbeits- und Umweltschutzbestimmungen. Von den 20 Unternehmen, die in den Warschauer Börsenleitindex WIG eingehen, gehört die Hälfte wenigstens teilweise dem Fiskus, darunter die Energieversorger, aber auch die Bank PKO BP, der Düngemittelhersteller Azoty Pulawy, die Gütersparte der Eisenbahn und die Holding »Polnische Öl- und Gaswirtschaft« (PGNiG).

Dieses »Tafelsilber« will die Regierung jetzt durch Fusionen stärken und vor ungewollten Übernahmen schützen. Neuralgischer Punkt ist dabei die Firma Azoty. Schon jetzt hält ein russischer Investor gut 20 Prozent, und die aktuelle Regierung beobachtet, ebenso wie die letzte, die Transaktionen der Azoty-Aktie wie das Kaninchen die Schlange – um zu merken, wann »der Russe« womöglich zum Sprung auf die Sperrminorität von 25 Prozent ansetzt. Zwar ist eigen...

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