10.02.2016 / Schwerpunkt / Seite 3

»Staatsanwalt im Nacken«

NSU-Aufklärern droht Strafverfolgung, wenn sie am falschen Ort aus Akten zitieren. V-Mann-Führer Temme musste kein Disziplinarverfahren fürchten. Gespräch mit Hermann Schaus

Claudia Wangerin

Im Münchner NSU-Prozess beantwortet die Hauptangeklagte Beate Zschäpe neuerdings schriftlich Fragen des Gerichts, die Glaubwürdigkeit ist zweifelhaft. Nach Zschäpes Worten war der NSU kein größeres Netzwerk; Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt mordeten demnach allein. Sie gehören dem Untersuchungsausschuss an, der zuletzt Geheimdienstzeugen zum Mord an Halit Yozgat 2006 in Kassel befragt hat. Was ist Ihr Eindruck?

Was den damaligen V-Mann-Führer Andreas Temme betrifft, der seinerzeit am Tatort war, rücken jetzt die Mitarbeiter des hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz, die bisher mit ihm solidarisch waren, von ihm ab. Vieles an ihren Darstellungen bleibt trotzdem sehr nebulös und widerspricht teilweise dem, was in den Akten steht.

Könnte deren Distanz zu Temme mit seinen Zeugenauftritten vor dem Oberlandesgericht München zu tun haben, wo ihn der Vater des Opfers direkt der Lüge bezichtigte?

Temme hat bei insgesamt fünf Zeugenaussagen im NSU-Prozes...

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