06.02.2016 / Wochenendbeilage / Seite 6 (Beilage)

Dieter Lang wird Ausländer

Annette Riemer

Das war an diesem Tag, an dem das Flüchtlingsheim in Merseburg-West aufmachte. Da fing alles an. Plötzlich gab es Ausländer in Merseburg, und selbst die Kettenraucher, die an der Kliaplatte seit Jahren und sogar zu Ostzeiten schon bei den Vietnamesen ihre Stangen kauften, waren sich einig, dass es so was bisher noch nie gegeben hatte: Leute von irgendwoher hier in Merseburg.

In Quernitz, dem kleinen eingemeindeten Dorf jenseits der Saale, wurden die Zeitungsberichte über das neue Flüchtlingsheim sehr aufmerksam verfolgt: Wie der Oberbürgermeister mit dem Bauausschuss vom Stadtrat zur Eröffnung kam, wie die Johanniter die Versorgung der ersten Ankömmlinge übernahmen, wie die Syrer von ihrem langen Weg nach Merseburg erzählten.

Mehr noch aber interessierte die Leute in Quernitz das, was nicht in der Zeitung stand, was sie sich selbst erzählten. Denn jeder hier auf dem Land kannte die große Plattenbausiedlung auf der anderen Seite der Stadt. »Die Gagarin-Schul...

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