04.02.2016 / Kapital & Arbeit / Seite 2

»Griechenland wurde bestraft«

Mehrheit der Wirtschaftswissenschaftler predigt die Allmacht der Märkte. Vertreter der »heterodoxen« Ökonomik ­wollen das ändern. Gespräch mit Wolfram Elsner

Simon Zeise

Ist es nicht sonderbar, dass die herrschende neoklassische Wirtschaftswissenschaft nicht auf realen Annahmen beruht, sich aber dennoch flächendeckend durchsetzen konnte?

Ja, aber man muss verstehen, dass die Ökonomik der wichtigste Ideologieproduzent für die herrschenden Verhältnisse ist. Als Analyse- und Prognoseinstrument hat die Neoklassik eklatant versagt. Sie hat die Finanzkrise von 2007 nicht nur nicht vorhergesehen, sondern sie auch noch geleugnet. Selbst die britische Queen hatte an der University of London gefragt: »Wie konnte es denn sein, dass die Ökonomen das nicht erkannt haben?« Neoklassiker wollen den kranken Patienten immer mit derselben Medizin heilen.

Und welche Medizin wird verschrieben?

Seit 40 Jahren immer dieselbe: Entstaatlichung von Sozialleistungen und gesellschaftlicher Daseinsvorsorge, Privatisierung des öffentlichen Vermögens und der Infrastruktur, Lohnsenkungen. Gleichzeitig werden staatliche Funktionen wie Schuldenmanagement, Ba...

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