02.02.2016 / Kapital & Arbeit / Seite 9

Dichter Nebel in Irland

Untersuchungsausschuss lässt vieles im dunkeln: Vor Parlamentswahlen im Frühjahr spielt die »Aufarbeitung« des Bankenskandals eine wichtige Rolle

Ernst Herzog, Galway

Am 21. Januar saßen beim »Gipfel« des World Economic Forum in Davos zwei interessante Personen auf dem Podium nebeneinander: der irische Taoiseach (Ministerpräsident) Enda Kenny und der US-Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz.

Letzterer nahm wenig diplomatisch kein Blatt vor den Mund. Er halte die Austeritätsprogramme, die die Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF) zwecks »Rettung« des EU-Bankensektors auch der Republik Irland aufgezwungen hatte, für falsch: »Die Frage, die ich immer stelle, ist: Gab es eine alternative, bessere Politik? Und wärt ihr besser gefahren, wenn die EZB euch nicht gezwungen hätte, einen Teil eurer Schulden vom privaten Sektor auf den öffentlichen Sektor umzuschichten? Meine Antwort lautet: Ihr wärt besser dran, wenn ihr diese Schulden nicht haben würdet, wenn ihr Unterstützung für eine Wachstumspolitik statt für eine Austeritätspolitik gehabt hättet.«

Kenny, d...

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