18.01.2016 / Feuilleton / Seite 10

Bricolage des Bösen

Als die Rock-’n’-Roll-Musik lauter wurde, die Tänzer wilder und die Lichter wie verrückt flackerten: Vor 50 Jahren spielten The Velvet Underground zum ersten Mal für Andy Warhol. Von

Frank Schäfer

Von Haus war Lou Reed Dichter. Der 2013 verstorbene Sänger sah sich stets als »an american poet« aus New York. Das war auch schon so, als er bei den Velvet Underground sang, einer der einflussreichsten US-Bands aller Zeiten, die vor fünfzig Jahren zum ersten Mal für Andy Warhol spielten, ohne den sie niemals so berühmt geworden wären. Es war ihr insgesamt dritter Versuch als Band. Im Dezember hatten sie erst in Summit, New Jersey den Saal der dortigen High School mit nur drei Nummern leer gespielt (ihr allerster Auftritt – am 11.12.1965) und dann noch ein bißchen in einem Café für Touristen im Greenwich Village öffentlich geprobt.

Im damaligen Künstlerviertel New Yorks fand Reed den Stoff, der seiner an Verlaine und Baudelaire geschulten Schmuddelpoesie Erdung verlieh, und hier lernte er auch, im Zusammenspiel mit seinem Mitbewohner John Cale, dass sich die Suggestionskraft eines Gedichts mit ein paar lauten Gitarrenriffs und einem monotonen Beat im Rücke...

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