10.12.2015 / Medien / Seite 15

Rufmord an Zeitung

Der Weser-Kurier wollte keine Israel-Propaganda. Der auch deswegen gefeuerte Redakteur spielt sich jetzt als Opfer auf

Sönke Hundt, Bremen

Daniel Killy stammt aus einer jüdischen Familie und hat nahe Angehörige durch den Holocaust verloren. Er war früher Ressortleiter bei Bild und arbeitete ab Januar 2014 als Chef vom Dienst (CvD) bei der Bremer Tageszeitung Weser-Kurier. Schon zum 30. Juni 2015 wurde ihm aber wieder gekündigt. Die Gründe für seinen Rausschmiss schilderte er am 4. November 2015 in einem langen Interview auf dem israelischen Internetportal Arutz Sheva, das in der Westbank von rechts-religiösen Siedlern betrieben wird. Bremen sei, so Killy, »ein Bollwerk der Bewegung Boykott-Divestions-Sanctions (BDS), was es praktisch für eine Zeitung unmöglich macht, sich für Israel auszusprechen.« Er selbst habe zwar versucht, das zu ändern, habe aber intern immer mehr Schwierigkeiten bekommen, und seine Artikel seien zunehmend als voreingenommen kritisiert worden.

Im Sommer 2014, während des Gaza-Krieges und der Demonstrationen gegen Israels Politik, seien die Dinge eskaliert. Er habe im We...

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