20.04.2015 / Schwerpunkt / Seite 3

Kindeswohlindustrie

In der Jugendhilfe können private Träger und Gutachter viel Geld verdienen

Jana Frielinghaus

Auch im sensiblen Bereich der Jugendhilfe sind in der Bundesrepublik mittlerweile zahlreiche genuine Aufgaben des Staates privatisiert. Es hat sich ein riesiges Netz freier Träger gebildet, die Heime betreiben, sogenannte Familienhilfen stellen und vieles mehr. Der Rechtsanwalt Thomas Saschenbrecker, der bundesweit Eltern und Kinder vor Familiengerichten vertritt, sprach gegenüber jW von einer regelrechten »Kindeswohlindustrie«.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom 25. Januar dieses Jahres wendete die öffentliche Hand 2013 rund 4,7 Milliarden Euro für die Unterbringung junger Menschen außerhalb des Elternhauses in Vollzeitpflege, Heimen oder Einrichtungen des betreuten Wohnens auf. Das ist gegenüber 2006 ein Anstieg um 43 Prozent. Das Geld geht zum größten Teil an private Träger, die ein wirtschaftliches Interesse daran haben, Kinder so lange wie möglich zu behalten. Es wird faktisch nicht kontrolliert, was mit den jungen Menschen und für sie ge...

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