02.03.2015 / Thema / Seite 12

Hoffnungswert DDR

Vor 25 Jahren beschloss der Ministerrat der DDR die Gründung der Treuhandanstalt zur Wahrung des Volksvermögens. Daraus wurde nichts – dank der Wiedervereinigung. Das Inventar erhielten andere.

Otto Köhler

Einen Tag bevor die deutsche Einheit ausbrach, hielt Günter Grass eine Rede über »Ein Schnäppchen namens DDR«. Genau so sah es auch ein Expeditionskorps des Bankhauses Schröder, Münchmeyer, Hengst & Co., das schon bald nach dem Fall der Mauer in das ungeschützte Erwartungsland vorgedrungen war. Der Reisebericht dieser Experten brachte Jürgen Jeske, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für Deutschland und guter Freund des großen Deutschbankiers Hermann Josef Abs, in Stimmung: »Der Status ist ungewiß. Die Zustände sind trostlos. Der Augenschein ist deprimierend. Es tickt eine politische Zeitbombe. Und doch wird die DDR von vielen als ›Hoffnungswert‹ gehandelt, als Aktie also, deren Phantasie nicht in Gegenwartsbilanzen, sondern in Zukunftserwartungen liegt.«

So schrieb es Jeske am Mittwoch, dem 7. Februar 1990, in sein Blatt, das tags zuvor gemeldet hatte: »Kohl will sofortige Verhandlungen über eine Wirtschaftsunion«. Der Mither...

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