03.01.2015 / Wochenendbeilage / Seite 4 (Beilage)

Impressionen aus der Froschperspektive

Zehn Jahre Hartz IV: In die Sozialberatung einer ehrenamtlich betriebenen Stelle in Berlin kommen diejenigen, die sich noch nicht aufgegeben haben. Doch die Ämter gewähren ihnen nur selten eine Chance

Johnny Norden

Ich lebe in zwei Welten. Eine davon ist für mich meine sichere warme Wohnung, die Rente, welche meine Grundbedürfnisse deckt, die jährliche Urlaubsreise, das Auto vor der Tür. Wenn ich zur Sozial- und Schuldnerberatung in meinen Sozialverein in einem östlichen Berliner Bezirk gehe, tauche ich in eine andere Welt ein. Die meisten Menschen, mit denen ich dort zusammenkomme, können von meinem Lebensstandard nur träumen. Sie führen einen täglichen Überlebenskampf. Und auch die, denen es mehr oder weniger gut geht, müssen sehr aufpassen, dass sie nicht untergepflügt werden.

Die Verbrechen des real existierenden Kapitalismus finden nicht irgendwo statt, sondern hier vor unserer Nase. Nachfolgend einige Impressionen aus der Froschperspektive der Sozialarbeit.

Seit sieben Jahren führe ich mit einer Kollegin zweimal in der Woche auf ehrenamtlicher Grundlage Sprechstunden durch. Schwerpunkte sind das Sozialgesetzbuch (SGB) II und das darin festgelegte Hartz IV, Sch...

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