20.12.2014 / Wochenendbeilage / Seite 1 (Beilage)

»Ich hab' ein so reiches Leben gehabt«

Ein Gespräch mit Alfredo Bauer. Über seinen Weg ins argentinische Exil, seinen Doppelberuf als Arzt und Schriftsteller, den antiimperialistischen Kampf heute

Erich Hackl

Alfredo, es geschieht nicht oft, dass jemand körperlich gesund und mit ungetrübtem Verstand in sein zehntes Lebensjahrzehnt startet. Und außerdem sagen kann, dass sich so ziemlich alles in seinem Leben erfüllt hat.

Beinah. Ein reiches Leben war das. Ich denke viel darüber nach, ob Gerechtigkeit darin war. Es gibt da keine Gerechtigkeit. Andere haben ein solches Leben verdient und nicht gehabt. Ich hatte einen Kindheitsfreund, den Fritz Grünfeld. Wie Brüder waren wir. Nach dem deutschen Überfall auf Österreich, 1938, haben ihn seine Eltern mit einem Kindertransport nach England geschickt. Mein Vater hat das mit mir nicht gemacht, er hat gesagt: Wenn wir zugrunde gehen, dann alle zusammen, wir lassen uns nicht auseinanderreißen. Schön. Jedenfalls ist mein Freund in England gelandet, und durch ein verrücktes Wunder sind seine Eltern dann auch nach England gekommen. Dort ist er mit fünfunddreißig an Krebs gestorben. Warum lebe ich mit neunzig? Wo ist da die G...

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