08.09.2014 / Thema / Seite 10

»Un-« oder »hinhaltbar«

Geschichte. Clark-Bruder Herfried Münkler hat neue Erkenntnisse zur Lösung des »düsteren Staatsgeheimnisses« vom Juli 1914

Otto Köhler
So steht es geschrieben, beim australischen Historiker Christopher Clark, der mit seinen »Schlafwandler«-Theorie zum Ersten Weltkrieg uns Deutsche endlich von der Schuldknechtschaft befreien will: »Die Tagebücher des Diplomaten und Philosophen Kurt Riezler, des engsten Vertrauten (Reichkanzlers Theobald von; O.K.) Bethmann Hollwegs, vermitteln den Tenor der Denkweise des Kanzlers zu der Zeit, als die Entscheidung fiel, Wien zu unterstützen.« Gemeint ist die Zeit der Julikrise 1914, als Wilhelm Zwo am 6. Juli Österreich den Blankoscheck ausstellte, Serbien mit Krieg zu überziehen. Doch der Reichskanzler fürchtete sich, entnimmt Clark dem Riezler-Tagebuch, vor Rußland. »Rußlands militärische Macht schnell wachsend; bei strategischem Ausbau Polens die Lage unhaltbar.« So zitiert der Historiker aus der 2008 erschienenen unveränderten Neuausgabe von Riezlers erstmals 1972 gedrucktem Tagebuch. Fazit: Kriegslüstern ist Bethmann Hollweg damals nicht.

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