29.07.2014 / Thema / Seite 10

Die Wut aufs Militär

Literatur. Heute vor vierzig Jahren starb Erich Kästner – sein Zorn muß uns bleiben

Otto Köhler
Gebrauchslyrik nannte der große Melancholiker Erich Kästner seine Gedichte. Für mich waren sie Anleitung zum Kampf. Ende August 1955 studierte ich im vierten Semester an der Universität Würzburg – da gab es viel Widerstand zu lernen. Zehn Jahre zuvor hatte ich noch mit meinen Kunststoffsoldaten (zu jedem Christfest schenkte Elternliebe davon ein Paket) gespielt und die Heftchen der »Kriegsbibliothek der Deutschen Jugend« gelesen. Jetzt war ich Vorsitzender des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes an der von schlagenden und farbentragenden Jungakademikern beherrschten Universität und hängte in den SDS-Schaukasten vor der Mensa Kästners Gedicht »Die andre Möglichkeit«. Es hebt an mit dem Konditionalis »Wenn wir den Krieg gewonnen hätten« und endet mit der – zutreffenden? – Versicherung: »Zum Glück gewannen wir ihn nicht«.

26 Jahre zuvor, am 9. Juli 1929, war dieses Gedicht erstmals in Carl von Ossietzkys Weltbühne erschie...

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