21.06.2014 / Ausland / Seite 7

Erdbeben als Vorwand zur Gentrifizierung

Im Istanbuler Stadtteil Okmeydani wollen die Behörden Tausende Häuser abreißen lassen

Thomas Eipeldauer
Der profitorientierte Umbau der Metropolen der Türkei geht in eine neue Runde. Bereits am 3. Juni erklärte der Magistrat des Istanbuler Stadtteils Beyoglu Teile des Stadtbezirks Okmeydani zu »erdbebengefährdetem Gebiet«. Betroffen sind die Nachbarschaften Fetihtepe, Kaptanpasa, Kececipiri, Piripasa and Piyalepasa. Damit droht dort nun etwa 5600 Häusern der Abriß.

Was auf den ersten Blick wie eine Maßnahme zum Schutz der Bevölkerung aussieht, ist in Wahrheit nichts anderes als ein weiteres Gentrifizierungsvorhaben der türkischen Behörden. Die Praxis, Gebiete, die man gerne umbauen möchte, zu »Erdbebenrisikozonen« zu erklären, ist gängig. Erste Zweifel an den Intentionen kommen bereits auf, sieht man sich an, um welche Gebiete es sich handelt: Beyoglu gilt als das kulturelle Zentrum des westlichen Teils der Stadt. Der Bezirk umfaßt zum einen den Taksim-Platz, die Nobeleinkaufsstraße Istiklal Caddesi, in deren Umgebung Tausende Bars, Clubs und Restaurants T...

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