07.06.2014 / Schwerpunkt / Seite 3

Blutige Handschrift

9. Juni 2004, Terror in Köln: Von Anfang an deuteten Hinweise auf ein Netzwerk hinter dem Bombenanschlag auf die Keupstraße. Im NSU-Prozeß kamen weitere hinzu.

Claudia Wangerin
Der Anschlag am 9. Juni 2004 trug die Handschrift von »Combat 18«, dem bewaffneten Arm des Neonazinetzwerks »Blood & Honour«: Der Tatort war eine Einkaufsstraße, die oft und gern »Klein Istanbul« genannt wurde, die Bombe war mit mehreren hundert zehn Zentimeter langen Zimmermannsnägeln gefüllt – offensichtlich darauf ausgelegt, möglichst viele Menschen zu verletzen oder zu töten. Nur durch Zufall starb bei der Explosion vor dem Friseursalon in der Keupstraße niemand. 22 Menschen wurden verletzt, manche von ihnen lebensgefährlich. Mehrere Ladenlokale wurden zerstört; und die Angst saß auch den Unverletzten noch lange in den Knochen.

Ein Bekennerschreiben gab es zu dem Anschlag nicht. Das brauchte es auch nicht: Nach den Worten von Rechtsanwalt Alexander Hoffmann war der Anschlag selbst »ein eindeutiges Bekenntnis zum rassistisch motivierten Massenmord, zum Krieg gegen Migranten«. So drückte es der Nebenklagevertreter zu Beginn der Hauptverhandlung a...

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