10.05.2014 / Thema / Seite 10

Eine Jahrhundertrede

Karl Liebknechts Anklage gegen den Militarismus vor dem Deutschen Reichstag am 11. Mai 1914

Reiner Zilkenat
Im Plenum des Reichstages herrscht am 11. Mai 1914 große Aufregung. Der sozialdemokratische Abgeordnete des Wahlkreises Potsdam-Spandau-Osthavelland, Dr. Karl Liebknecht, immer wieder von Zwischenrufen aus den Reihen der bürgerlichen Fraktionen und vom Präsidenten mit Ordnungsrufen unterbrochen, steht am Rednerpult und rechnet mit dem herrschenden Militarismus ab. Genauer gesagt: Er legt das System der Bereicherung der Rüstungskonzerne offen. Er beschreibt faktenreich die Symbiose des Staatsapparats mit den an der Produktion von Kriegsgerät beteiligten Unternehmen. Er nennt Namen und Adressen und weist die um sich greifende Korruption bei der Auftragserteilung durch Behörden nach. Nicht zuletzt analysiert er die grenzüberschreitenden Aktivitäten deutscher Rüstungsfirmen. Es entsteht das plastische Bild einer – wie es Liebknecht formuliert – »internationalen Räuberbande«.

Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stehen die dubiosen Mache...

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