24.02.2014 / Ausland / Seite 2

»Die politische Elite das Fürchten gelehrt«

Bosnien-Herzegowina: Nach dem Sturm auf Regierungsgebäude entwickelt sich direkte Demokratie. Ein Gespräch mit Medina Malagic

Raoul Rigault
Medina Malagic ist Herausgeberin des im November 2012 gegründeten bosnischen Nachrichtenportals Sarajevo Times

Viele Beobachter waren überrascht über die Anfang Februar ausgebrochenen heftigen Proteste in Bosnien-Herzegowina. Sie auch?

So schockierend die brennenden Regierungsgebäude und das Chaos auf den Straßen von Sarajewo im ersten Moment auch waren – das lag schon lange in der Luft. Es war nur die Frage, wann es passiert.

Was führte konkret zu den Protesten?

Es herrscht große Verachtung gegenüber der politischen Klasse und der Art, wie sie das Land in fast zwei Jahrzehnten regiert hat. Bosnien-Herzegowina hat eine der höchsten Arbeitslosenraten in Europa; Korruption und Vetternwirtschaft sind zügellos und für viele Leute sind die Zukunftsaussichten gleich null. Auslöser der Proteste war die Privatisierung staatlicher Unternehmen in der Stadt Tuzla, die zu tausenden Entlassungen führte.

Sie haben das als Bürgerrevolte bezeichnet. Warum?

Mit den ...


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