18.02.2014 / Schwerpunkt / Seite 3

Schöneres Selbstbild

Von Sinn und Zweck einer Revision: Warum mit Christopher Clarks Band zum Ersten Weltkrieg, »Die Schlafwandler«, an deutscher Geschichte geputzt wird

Kurt Pätzold
Es kommt immer wieder vor, daß sich ein Wissenschaftler bei seinen Forschungen in eine Idee verliebt, weniger Wohlwollende mögen sagen: verrennt. Meist, früher oder später, sterben solche Einfälle im Gespräch mit Kollegen. Und nicht so selten gehen selbst vom im Ganzen Verworfenen noch Anregungen aus. Anders setzt sich die Sache fort, wenn sich an einen abwegigen Gedanken, der etwa durch eine Buchveröffentlichung über den Kreis der Fachleute hinaus publik geworden ist, Interessen knüpfen lassen, die außerhalb des Bereichs der Wissenschaft existieren. Das ist der aktuelle »Fall Christopher Clark«, der eines Historikers, und dies wiederum ist kein Zufall. Die Nähe der Geschichtswissenschaft zur Politik wird ernsthaft nicht mehr bestritten, und also haben die Jünger der Clio zu entscheiden, wie sie sich in dem daraus entstehenden Spannungsfeld bewegen.

Verzicht auf Warum-Frage

Der in Großbritannien lehrende australische Forscher hat in jahrelangen Recherchen...

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