06.11.2013 / Schwerpunkt / Seite 3

»Die NSA vergißt ihre Feinde nicht«

Der US-Whistleblower Edward Snowden wäre in Deutschland nicht sicher. Das lehrt schon die Entführung eines Deutschen durch US-Geheimdienste vor 22 Jahren. Ein Gespräch mit Jens Karney

Rüdiger Göbel
Jens Karney (Jeffrey Martin Carney) wurde im April 1991 von Agenten eines US-Geheimdienstkommandos in Berlin entführt und in die Vereinigten Staaten verschleppt

Sie haben in den 1980er Jahren als Unteroffizier der Fernmeldeaufklärung der US Air Force in der Radaranlage in Berlin-Marienfelde gearbeitet. Und Sie waren für die Auslandsaufklärung der DDR tätig. In den USA gelten Sie – wie Edward Snowden und Bradley Manning – als Verräter. Was genau haben Sie gemacht?

Ich wurde 1982 nach Marienfelde beordert, wo ich als Sprachenspezialist die Luftstreitkräfte der DDR überwacht hatte. Schon vor meiner Entscheidung, in die DDR zu fliehen, war mir klar, daß vieles, was in Marienfelde betrieben wurde, nicht der Verteidigung von Westeuropa galt und noch weniger dem Erhalt des Friedens. Allein die Tatsache, daß die National Security Agency (NSA) auf unserem kleinen Trümmerberg eine sehr starke, aber heimliche Präsenz aufwies, unterstrich die Wichtigkeit ...

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