05.10.2013 / Wochenendbeilage / Seite 1 (Beilage)

»Kämpfer werden zu Mördern«

Gespräch mit Jürgen Todenhöfer. Über seine Begegnungen mit Baschar Al-Assad, die Politik der USA, Ächtung des Krieges sowie eine friedliche Lösung des Syrienkonflikts

Thomas Wagner
Jürgen Todenhöfer (geb. 1940) war achtzehn Jahre lang Abgeordneter im Deutschen Bundestag und Sprecher der CDU/CSU für Entwicklungspolitik und Rüstungskontrolle. Mehr als zwanzig Jahre war er Manager eines großen europäischen Medienunternehmens. Heute arbeitet er als freier Publizist.

Sie haben den syrischen Präsidenten Baschar Al-Assad fünfmal zu Gesprächen getroffen. Was haben Sie für einen Eindruck von diesem Mann gewonnen?

Ich glaube, daß es wenige Menschen gibt, die soviele Diktatoren kennengelernt haben wie ich. Die meisten waren Machos, Selbstdarsteller. Assad ist ein großer, eher linkischer Hamlettyp. Seine höchste Ambition war es einmal, Augenarzt zu sein. Aber er ist auch ein Kriegsführer, der jeden Tag töten läßt. Der Syrienkrieg ist ein Stellvertreterkrieg. Um ihn zu beenden, müssen die Hintermänner verhandeln: Rußland und Amerika, Iran und Saudi-Arabien, auch Katar. Dann müssen Assad und die Rebellen ihre Waffen niederlegen. Das werden sie tu...

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