11.09.2013 / Feuilleton / Seite 12

Verwaltete Welt

Es gibt keine öffentlichen Intellektuellen mehr. Zum 110. Geburtstag von Theodor W. Adorno

Sebastian Triesch
Auf Theodor W. Adorno wird immer noch Bezug genommen. Nicht nur auf seinen berühmten Satz »Es gibt kein richtiges Leben im falschen«. Jener Satz ist mittlerweile eine intellektuelle Binse, losgelöst von sonstigen Einblicken in das Werk von Adorno quasi universell einsetzbar. Er ist in den »Minima Moralia« formuliert, der im kalifornischen Exil verfaßten Notiz- und Aphorismensammlung des im Sommer 1969 verstorbenen Sozialphilosophen. Womöglich das Buch, in dem hinter dem Wissenschaftler noch am meisten der Mensch Adorno durchscheint. Es enthält nicht nur den Satz vom richtigen Leben im falschen, sondern auch Aufschlußreiches darüber, wie Adorno seine Rolle sah, nämlich daß die »Intellektuellen zugleich Nutznießer der schlechten Gesellschaft und doch diejenigen sind, von deren gesellschaftlich unnützer Arbeit es abhängt, ob eine von der Nützlichkeit emanzipierte Gesellschaft gelingt«. Dieser Satz beschwört nicht nur auf fast rührende Art die Potenz des Inte...

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