05.06.2013 / Inland / Seite 8

»Der Staat verkauft die Kinder an die Industrie«

Im Bildungswesen wird weiter privatisiert. Konzerne machen Schulen und Kindergärten zu Werbeträgern. Gespräch mit Anne Markwardt

Ben Mendelson
Anne Markwardt ist bei der Verbraucherorganisation foodwatch für das Thema Kinderlebensmittel zuständig

Vor drei Wochen hat die Verbraucherorganisation foodwatch dem »ungesunden Dickmacher« Capri-Sonne den »Goldenen Windbeutel« für die »dreisteste Werbelüge 2013« verliehen, weil dieser massiv an Kinder vermarktet wurde. Passiert das auch an Schulen?

Die Lebensmittelindustrie ist auch an Schulen vertreten. Konzerne wie Nestlé, McDonald’s oder Ritter stellen Unterrichtsmaterialien zur Verfügung und versuchen so, ihre Marken in den Schulen zu positionieren und bestimmte Botschaften über Ernährung zu vermitteln. Damit erhalten die Kinder oft ein falsches Bild. Außerdem finanzieren Marken wie PomBär oder funny-frisch Preisverleihungen, Sportveranstaltungen und Schulfeste. Auch Kindergärten werden zur Werbefläche, sie erhalten z.B. Päckchen mit kostenlosen Produktproben zugeschickt.

Ist Werbung an Schulen überhaupt erlaubt?

Alle 16 Bundesländer haben unte...

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