16.03.2013 / Thema / Seite 10

Wege zum Nachruhm

Literatur. Am 21. März wäre der Dichter Peter Hacks 85 Jahre alt geworden. Zu Grundlagen und Perspektiven der Forschung (Teil I)

Kai Köhler
Die Chancen von Dichtern auf Nachruhm sind minimal. Grund ist das deutliche Mißverhältnis ihrer Anzahl zur Menge der Plätze, die es im Kanon gibt. Tatsächlich kann man die Schriftsteller in drei Gruppen einteilen: die allermeisten, die nie erwähnenswerte Beachtung finden; die unglücklichen, die zu Lebzeiten vergessen werden; und die wenigen glücklichen, denen dies im Jahrhundert nach ihrem Tod widerfährt. Die Autoren, die auch nach dieser Frist noch über den Kreis spezialisierter Literaturhistoriker hinaus gelesen werden, bilden eigentlich keine Gruppe mehr.

Und doch gibt es eine fünfte, noch unwahrscheinlichere Möglichkeit: den Ruhm, der erst nach dem Tod einsetzt. Die deutsche Literatur kennt hier zwei prominente Fälle. Der eine ist Georg Büchner. Er starb mit 23 Jahren, am Anfang einer schriftstellerischen Laufbahn und naturgemäß im Betrieb noch nicht etabliert. Immerhin kannte er einflußreiche Personen, immerhin hatte er bereits veröffentlicht &ndash...

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