23.01.2013 / Thema / Seite 10

Krieg im Wüstenstaat

Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich setzt in Mali Soldaten und schweres militärisches Gerät gegen islamistische Gruppierungen ein. Die Konfliktursachen werden ­verdrängt, die Interessen der Tuareg bleiben auf der Strecke

Gerd Bedszent
Der heutige Staat Mali leitet seinen Namen von einem Feudalreich her, das im 13. und 14. Jahrhundert große Teile Westafrikas umfaßte. 1883 begann auf diesem ­Territorium die koloniale Landnahme durch Frankreich.

Im Zuge der Entkolonialisierung erlangte die Provinz »Französisch-Sudan« im Jahre 1960 ihre Unabhängigkeit. Als Folge der Zergliederung Westafrikas durch willkürliche Grenzziehungen der Kolonialverwaltung setzte sich die Bevölkerung des neugegründeten Staates aus über dreißig Ethnien zusammen, wobei die Ackerbau treibende Bevölkerung des Südens den Wüstennomaden des Nordens, zu denen auch die Tuareg gehören, zahlenmäßig immer weit überlegen war und es auch heute ist. Die politischen und wirtschaftlichen Schwerpunkte des Staates Mali lagen daher stets im Süden. Die sozialen und kulturellen Disproportionen zwischen den beiden höchst unterschiedlichen Landesteilen wurden bisher von keiner malischen Regierung gelöst.

Mali verfolgte nach Erringung de...



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