08.12.2012 / Wochenendbeilage / Seite 4 (Beilage)

Die verratene Revolution

Südafrika sind die Ideale der schwarzen Selbstbefreiung abhanden gekommen. 18 Jahre nach dem Ende der Apartheid warten die Menschen in den Townships noch immer auf den gesellschaftlichen Wandel. Doch die Hoffnung schwindet

Christian Selz, Ginsberg

»Schau doch«, sagt Rasta Zebulon auf die Frage nach den Problemen in seinem Stadtteil. Er richtet den Blick hinaus in die verregnete Leere vor seinem aus Wellblech und Spanholzplatten zusammengezimmerten Laden. »Die Leute sind jeden Tag betrunken, die Jugend ist auf Drogen, sie haben das Bewußtsein eines Biko verloren.«

Steve Biko war Studentenführer, Bürgerrechtler, Philosoph, Freiheitskämpfer und Kopf der südafrikanischen Schwarzen-Bewegung der 70er Jahre. Sein Name fällt oft, wenn schwarze Südafrikaner über die stockende Entwicklung ihres Landes und die lang ersehnte Befreiung ihrer Gesellschaft reden. »Wenn Steve Biko noch am Leben wäre«, fangen die Sätze dann an.

Auch Zebulons kleines Büdchen, trägt den Namen des Mannes, der nicht älter als 30 Jahre wurde. Im »Biko All-in-One Store« verkauft der Rastafari Gemüse, repariert Fernseher, flickt Schuhe und wäscht auf dem schlammigen Vorplatz die wenigen Autos, die es in Ginsberg gibt. Er schlägt sich so...



Artikel-Länge: 13473 Zeichen

Willkommen bei der Tageszeitung junge Welt

Zum Aufrufen dieser Seite ist ein Onlineabo erforderlich.

Bitte einloggen

Hilfe und Informationen

Abo abschließen

Welche Vorteile bietet ein Onlineabo?

  • Zugriff auf das Archiv seit 1997, alle Artikel und Recherchewerkzeuge.
  • E-Mail-Abo im Text-, HTML- oder E-Pub-Format.
  • Zugriff auf Seiten im PDF-Format.
  • Verwalten eigener Lesezeichen.

Zur aktuellen Ausgabe