26.10.2012 / Ausland / Seite 8

»Man fragt sich, ob Italien noch antifaschistisch ist«

Der Partisanenverband warnt vor einem Rückfall hinter den demokratischen Grundkonsens. Ein Gespräch mit Carlo Smuraglia

Raoul Rigault
Carlo Smuraglia (89) ist seit April 2011 Präsident des italienischen Partisanenverbandes ANPI. Zuvor war er Professor für Arbeitsrecht an der Staatlichen Universität Mailand, PCI-Regionalabgeordneter in der Lombardei und saß von 1992 bis 2001 für die aus der KP hervorgegangenen Linksdemokraten im italienischen Senat.

Der italienische Partisanenverband ANPI warnt zur Zeit in einer landesweiten Kampagne vor einem Rückfall hinter den demokratischen Grundkonsens von 1945. Wie dramatisch ist die Lage?

Man muß sich fragen, ob Italien wirklich ein antifaschistisches Land ist. Ich denke, daß viele Menschen Antifaschisten und entsprechend engagiert sind – aber daneben gibt es viel Gleichgültigkeit und Unkenntnis. Vor allem aber gibt es auch viele Menschen, die nicht nur der Mussolini-Diktatur nachtrauern, sondern sich mit deren Sturz nicht abfinden wollen.

Erst vor kurzem noch sorgte der Bürgermeister von Affile bei Rom für Schlagzeilen, als er dem 1955 ges...


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