23.10.2012 / Feuilleton / Seite 13

Dämmerstunde

»Es geniert mich, wenn die Wahrheit verlacht wird«: Ein Nachruf auf die großartige Käthe Reichel

Günther Drommer
Fährt der Besucher ins märkische Buckow, vielleicht um die Brecht-Weigel-Gedenkstätte am See zu besichtigen, gelangt er von dort aus nach ein paar Schritten zu einem Brückchen. Wenige Meter weiter steht ein kleines Gartenhaus. »Das große Carthago führte drei Kriege. Es war noch mächtig nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten« ist auf einem großen, verblichenen Tuch zu lesen, das die Außenwand bedeckt. Haus und Garten kaufte einst Bertolt Brecht für eine junge Schauspielerin namens Käthe Reichel, und die wohnte dort, sommers wie winters, und zuletzt ununterbrochen. Der Text auf dem Tuch ist einem offenen Brief entnommen, den der Dichter 1951 an »die deutschen Künstler und Schriftsteller« geschrieben hat. Brechts Aufforderung, in jener vergiftenden Atmosphäre einer einseitigen deutschen Wiederbewaffnung von Westen her zuallererst den Frieden zu erhalten, ist für Käthe Reichel dann zum zeitübergreifenden Lebensmotto geworden. Als i...

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