22.10.2012 / Feuilleton / Seite 13

Der blinde Fleck

»Verboten – Verfolgt – Vergessen« – ein neuer Dokfilm zum Umgang der BRD mit Antifaschisten

Matthias Reichelt
Ingrid und Herbert Wils sitzen in ihrem Wohnzimmer in Hagen. Er erzählt von gemeinsamen Aktivitäten in der KPD, für die er 1957 inhaftiert wurde. Fünfeinhalb Jahre hat er wegen kommunistischer »Staatsgefährdung« im Gefängnis verbracht. Eine Zeit lang sitzt seine Frau stumm daneben, so daß der Eindruck eines klassisch patriachalischen Verhältnisses aufkommen kann, doch dann beginnt Ingrid Wils, die selbst neun Monate Haft überstanden und weitere acht Jahre in der Illegalität gelebt hat, von der Organisierung internationaler Solidarität für die Gefangenen zu berichten. Die Entfremdung des Paares durch den Strafvollzug deutet sie in einer Nebenbemerkung an, auch das hat Platz in ihrer anrührenden Erinnerung. Die Überzeugungen der beiden sind ungebrochen. Daß die DDR mit ihren Kritikern nicht zimperlich umgegangen ist, gehört zum Allgemeingut. Täglich wird es von einem Netzwerk aus Vereinen und Stiftungen auf allen Kanälen in die Hirne gehämmert. Der Kontrast zur blütenweißen Weste der D...

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