20.10.2012 / Schwerpunkt / Seite 3

Zerfallender Staat

Libyen ein Jahr nach dem Lynchmord an Ghaddafi

Knut Mellenthin
Ein Jahr nach der Ermordung von Staatschef Muammar Al-Ghaddafi am 20. Oktober 2011 bietet Libyen ein Bild der Zerrüttung: Unregierbarkeit, Dutzende rivalisierende Milizen und die Zerstörung Jahrhunderte alter Bauwerke aus Fanatismus und Intoleranz sind kaum zu übersehende Zerfallserscheinungen. Und dennoch gibt es in dem anscheinend unkontrollierbaren Chaos eine Insel der Stabilität: Die Ölproduktion hat, nachdem sie während des Bürgerkriegs zeitweise fast komplett eingestellt worden war, wieder ihre frühere Höhe von 1,6 Millionen Barrel pro Tag erreicht. Wo die Einnahmen aus dem Ölexport – es sind in diesem Jahr vermutlich mehr als 40 Milliarden Dollar – bleiben und wie sie verteilt werden, ist nicht bekannt. Der libysche Staat, soweit von einem solchen überhaupt gesprochen werden kann, gibt vor, er sei so klamm, daß er ohne US-amerikanische Hilfsgelder nicht einmal die Gehälter seiner Angestellten regelmäßig bezahlen kann.

In de...

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