15.10.2012 / Feuilleton / Seite 13

Kaleidoskope zerschlagen!

»Savages« von Oliver Stone ist kein Film über den »neuen Geist des Kapitalismus«

Peer Schmitt
Eine Geschichte zu erzählen, bedeutet nicht unbedingt, noch am Leben zu sein. Oliver Stone benutzt diesen Umstand für seinen neuen Film »Savages«, der Adaption des gleichnamigen Pulpromans von Don Winslow (auf deutsch: »Zeit des Zorns«) als narrativen Trick. Bis zum Ende soll man nicht wissen, ob die Erzählerfigur noch am Leben ist, obwohl der Film wiederum alles andere als aus ihrer Perspektive erzählt ist.

Denn »Savages« ist ein Kaleidoskop der Perspektiven. Das ist kein Kompliment. Das Kaleisdoskop ist ein Instrument, mit dem zum Beipiel Kiffer gerne spielen, weil sie sich nicht so gut auf eine Sache konzentrieren können, und mit jeder Drehung gern alles Geordnete in eine wieder neue Ordnung zusammenstürzen sehen wollen, die aber nichts weiter ist als ein weiterer Spiegel herrschender Ordnung. Deshalb muß, wie Walter Benjamin bemerkt hatte, leider auch das Kaleidoskop zerschlagen werden.

»Savages« ist ein Kifferfilm, der nicht nur von der Unbill zwei...



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