12.10.2012 / Thema / Seite 10

La patrie ou la mort

Geschichte. Thomas Sankara, der Gründer eines antikolonialen Burkina Faso, wurde vor 25 Jahren ermordet. Seine Ideen bleiben unverzichtbar für die Befreiung Afrikas

Gerd Schumann
Welche Bücher er, müßte er dorthin, mit auf eine einsame Insel nehmen würde, wurde Thomas Sankara einmal gefragt. Der Präsident Burkina Fasos (1983–1987) antwortete: »Natürlich ›Staat und Revolution‹ von Lenin«. Das würde er dann, je nachdem, in welcher Stimmung er sich befände, »auf verschiedene Weise auslegen«. Auch die Bibel und den Koran nähme er mit. Zu deren Interpretationsfähigkeit erläuterte er an anderer Stelle: »Zwischen Reichen und Armen gibt es keine gemeinsame Moral. Die Bibel und der Koran können nicht in gleichem Maße dem Ausbeuter wie dem ausgebeuteten Volk dienen. Es muß also zwei Fassungen (…) geben.«

Nein, die armen Länder konnten ihre vermeintlichen Schulden bei den reichen nicht mehr begleichen, Wucherzinsen und Auflagen zogen sie immer tiefer in die Misere. Folgerichtig forderte Sankara auf einem Kongreß der Organisation Afrikanischer Einheit (OAU) in Addis Abeba die Staatschefs des Kontinents auf, sich de...

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