09.10.2012 / Abgeschrieben / Seite 8

Ver.di unterstützt Amazon-Beschäftigte

* Die Gewerkschaft ver.di Rheinland-Pfalz kündigte am Montag in einer Presseerklärung Unterstützung für die Beschäftigten des Amazon-Logistikzentrums bei Koblenz an:



Montag morgen, 5.30 Uhr. Beim neuen Amazon Logistikzentrum an der A 61 bei Koblenz treffen die ersten Beschäftigten ein. Insgesamt sollen 1000 Festangestellte plus 2000 Saisonkräfte in der Vorweihnachtszeit dort beschäftigt werden. Auf dem Weg zu ihrem ersten Arbeitstag werden sie von ver.di begrüßt. Marion Paul, ver.di-Chefin in Koblenz: »Wir freuen uns mit den Kolleginnen und Kolleginnen über die neuen Arbeitsmöglichkeiten. Wir wollen dabei helfen, daß es auch Arbeit zu fairen Bedingungen wird.«

Die Erfahrungen aus den anderen Standorten des Versandriesen zeigten, daß die Unternehmensleitung offensichtlich diese Hilfe dringend benötigt. Maria Rinke, Handelsexpertin bei ver.di: »Amazon wendet keine Tarifverträge an. Es werden sogenannte ortsübliche Löhne gezahlt. Das heißt, so wenig wie sich eben in der jeweiligen Region durchsetzen läßt. Der obligatorische Handscanner als Hauptarbeitsgerät vermerkt fehlende Aktivität und liefert die Grundlage für Abmahnungen und Kündigungen. Diebstahlskontrollen können schon einmal eine Stunde Zeit beanspruchen, Freizeit versteht sich.« Der Gegenwert seien mitnichten sichere Arbeitsplätze. Zurzeit werden zwei Drittel der Beschäftigten nur befristet eingestellt, höchstens für drei oder sechs Monate.

Das alles sei allerdings nicht zwangläufig so. »Die Beschäftigten können bei fast allen Kritikpunkten eingreifen. Das geht aber nur über einen Betriebsrat, der bei Kündigungen, Einstellungen, Leistungskontrollen, Lage der Arbeitszeiten und der Ordnung im Betrieb gefragt werden muß. Der Betriebsrat muß eine solide Arbeitsgrundlage in Form eines Tarifvertrages haben. Wir fordern, daß entweder der Tarif für den Versandhandel angewendet oder ein Firmentarifvertrag abgeschlossen wird.«

Ver.di werde die Belegschaft unterstützen und dem zu wählenden Betriebsrat Hilfe bieten. Allerdings sei das an die Voraussetzung geknüpft, daß sich möglichst viele Beschäftigte dafür entscheiden, bei ver.di Mitglied zu werden. (…)

Auch die Politik ist nach Meinung der Gewerkschafterinnen gefordert. Viele der neuen Beschäftigten werden bisher Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger sein, die von den Jobcentern an Amazon vermittelt werden. Bei den bisherigen Standorten mußten viele Betroffene ein zweiwöchiges Praktikum absolvieren. Diese Einarbeitungszeit wurde nicht vergütet, die Arbeitsagentur zahlte das Arbeitslosengeld weiter und übernahm die Fahrtkosten. Wer die Teilnahme an einem solchen Praktikum verweigerte, mußte mit empfindlichen Kürzungen des Arbeitslosengeldes rechnen. (…) Vor allem, wenn nach der Einarbeitungsphase keine dauerhaften Beschäftigungsverhältnisse geschaffen werden, sondern ein Großteil der Betroffenen lediglich mit monatsweise befristeten Verträgen abgespeist werde, könne dies nicht im Sinne des Erfinders sein. Hier nutzt Amazon ein Schlupfloch in der Sozialgesetzgebung. Der Gesetzgeber, Bundestag und Bundesrat, die Kommunen und die Arbeitsverwaltung werden dringend aufgefordert, einem Mißbrauch der sogenannten Praktika ein Ende zu setzen.



Montag morgen, 5.30 Uhr. Beim neuen Amazon Logistikzentrum an der A 61 bei Koblenz treffen die ersten Beschäftigten ein. Insgesamt sollen 1000 Festangestellte plus 2000 Saisonkräfte in der Vorweihnachtszeit dort beschäftigt werden. Auf dem Weg zu ihrem ersten Arbeitstag werden sie von ver.di begrüßt. Marion Paul, ver.di-Chefin in Koblenz: »Wir freuen uns mit den Kolleginnen und Kolleginnen über die neuen Arbeitsmöglichkeiten. Wir wollen dabei helfen, daß es auch Arbeit zu fairen Bedingungen wird.«

Die Erfahrungen aus den anderen Standorten des Versandriesen zeigten, daß die Unternehmensleitung offensichtlich diese Hilfe dringend benötigt. Maria Rinke, Handelsexpertin bei ver.di: »Amazon wendet keine Tarifverträge an. Es werden sogenannte ortsübliche Löhne gezahlt. Das heißt, so wenig wie sich eben in der jeweiligen Region durchsetzen läßt. Der obligatorische Handscanner als Hauptarbeitsgerät vermerkt fehlende Aktivität und liefert die Grundlage für Abmahnungen und Kündigungen. Diebstahlskontrollen können schon einmal eine Stunde Zeit beanspruchen, Freizeit versteht sich.« Der Gegenwert seien mitnichten sichere Arbeitsplätze. Zurzeit werden zwei Drittel der Beschäftigten nur befristet eingestellt, höchstens für drei oder sechs Monate.

Das alles sei allerdings nicht zwangläufig so. »Die Beschäftigten können bei fast allen Kritikpunkten eingreifen. Das geht aber nur über einen Betriebsrat, der bei Kündigungen, Einstellungen, Leistungskontrollen, Lage der Arbeitszeiten und der Ordnung im Betrieb gefragt werden muß. Der Betriebsrat muß eine solide Arbeitsgrundlage in Form eines Tarifvertrages haben. Wir fordern, daß entweder der Tarif für den Versandhandel angewendet oder ein Firmentarifvertrag abgeschlossen wird.«

Ver.di werde die Belegschaft unterstützen und dem zu wählenden Betriebsrat Hilfe bieten. Allerdings sei das an die Voraussetzung geknüpft, daß sich möglichst viele Beschäftigte dafür entscheiden, bei ver.di Mitglied zu werden. (…)

Auch die Politik ist nach Meinung der Gewerkschafterinnen gefordert. Viele der neuen Beschäftigten werden bisher Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger sein, die von den Jobcentern an Amazon vermittelt werden. Bei den bisherigen Standorten mußten viele Betroffene ein zweiwöchiges Praktikum absolvieren. Diese Einarbeitungszeit wurde nicht vergütet, die Arbeitsagentur zahlte das Arbeitslosengeld weiter und übernahm die Fahrtkosten. Wer die Teilnahme an einem solchen Praktikum verweigerte, mußte mit empfindlichen Kürzungen des Arbeitslosengeldes rechnen. (…) Vor allem, wenn nach der Einarbeitungsphase keine dauerhaften Beschäftigungsverhältnisse geschaffen werden, sondern ein Großteil der Betroffenen lediglich mit monatsweise befristeten Verträgen abgespeist werde, könne dies nicht im Sinne des Erfinders sein. Hier nutzt Amazon ein Schlupfloch in der Sozialgesetzgebung. Der Gesetzgeber, Bundestag und Bundesrat, die Kommunen und die Arbeitsverwaltung werden dringend aufgefordert, einem Mißbrauch der sogenannten Praktika ein Ende zu setzen.

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