20.09.2012 / Feuilleton / Seite 13

Artefakte einer Ehe

Michael Haneke macht einen Film übers Sterben und nennt ihn »Liebe«

André Weikard
Manchmal steht man vor einer Skulptur, vor einem Gemälde, einer Installation und weiß nicht recht, was damit anfangen. Einen Hinweis gibt es aber womöglich: den Titel. Dasselbe Objekt kann genausogut »Drei Frauen, Müllhalde« heißen oder aber: »Paradies«. Michael Hanekes jüngster Film heißt »Liebe«, und er hätte genauso gut heißen können: »Eheleute, Totenbett«.

Darum geht es: Eine Frau erleidet einen Schlaganfall, ihr Mann pflegt sie bis in den Tod. Damit ist das Ende verraten. Damit ist nichts verraten. Darum geht es: daß am Ende jeder Liebe eine Trennung steht. Daß alles, was blüht, vergeht. Und daß es umso trauriger ist, je schöner die Blüte einmal war. Haneke erzeugt diese Fallhöhe nicht mit Rückblenden, sondern mit Polstersesseln und vergilbten Tapeten. Die Pariser Altbauwohnung, in der die alten Liebenden wohnen, ist ein Museum. Sie ist ein faszinierender Erinnerungsort, eine Ausstellung von Artefakten einer Ehe. Da sind die schweren Teppiche, die d...

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