12.09.2012 / Inland / Seite 5

Hungern aus Scham

Studie offenbart riesiges Ausmaß verdeckter Armut im Alter. Forscherin empfiehlt, Grundsicherung auf den Prüfstand zu stellen

Ralf Wurzbacher
Alle reden von Altersarmut und davon, sie »bekämpfen« zu wollen. Aber wissen die politischen Akteure wirklich um die Schwere des Problems? Ein aktueller Bericht der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung läßt dies fraglich erscheinen. Nach den darin vorgelegten Zahlen verzichtet eine große Mehrheit der Menschen, die Anspruch auf die sogenannte Grundsicherung im Alter haben, auf die ihnen zustehende Hilfe – sei es aus Scham oder Ahnungslosigkeit. Das Ziel des 2003 eingeführten Gesetzes »ist offenbar nicht erreicht worden«, bilanziert die Verteilungsforscherin Irene Becker, die die Daten ermittelt hat. Nach ihrer Einschätzung könnte die daraus ersichtliche verdeckte Armut in der Realität sogar noch größer sein.

Die Sozialwissenschaftlerin von der Universität Frankfurt/Main hat ihren Aufsatz »Finanzielle Mindestsicherung und Bedürftigkeit im Alter« in der Zeitschrift für Sozialreform publiziert. Die Datenbasis dazu lieferte ihr das Sozio-ökonomische...

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