12.09.2012 / Feuilleton / Seite 12

Schöne Schläfer unter sich

Der Pariser Choreograph Patrice Bart als Pygmalion

Gisela Sonnenburg
Er schläft. Unterm Lockengebälk träumt der vielleicht schönste Mann der Kunstgeschichte: Der »Barberinische Faun« in der Münchner Glyptothek erfreut nicht nur, weil er nackig ist. Benannt nach dem römischen Kardinal Maffeo Barberini, der die Statue im 17. Jahrhundert restaurieren ließ, fasziniert er mit verworfener Freizügigkeit bis in die Mundwinkel.

Ich war fünfzehn und verbrachte den Sommer in München. Ich ging wegen der bemalten Vasen ins Museum, war hinter diesen Sportszenen der Olympioniken her. Der Faun war die Überraschung. Versunken stand ich davor. Wo ich doch vormittags dem zweifelhaften Ballettunterricht einer grauenvollen Privatschule beigewohnt hatte. Da bot der Faun mehr. Was, wenn er lebendig würde? In Ovids »Metamorphosen«, einer altrömischen Dichtung, gibt es die Geschichte von Pygmalion. Das war ein Bildhauer, der seine weibliche Statue so schön fand, daß er sie sexuell besitzen wollte. Die Liebesgöttin hatte Mitleid: Aus Marmor und El...

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