11.09.2012 / Thema / Seite 10

Boom – Blase – Crash

Vorabdruck u Zum Charakter der aktuellen Wirtschaftskrise – Teil II: Spekulation und ihre Auswirkungen auf die »Realwirtschaft«

Lucas Zeise

Die Krise nimmt kein Ende. Mit ihrer Dauer wächst die Ratlosigkeit derer, die meinen, sie auf kapitalkonforme Art und Weise »lösen« zu können, was ihnen schon deshalb mißlingen muß, weil ihre Erklärungsansätze zu kurz greifen: Der Crash ab 2007 erscheint in der Perspektive der Herrschenden und ihrer Ideologen als Betriebsunfall, die Euro-Krise als Ergebnis der finanzpolitischen Schludrigkeit von Peripheriestaaten.

Lucas Zeise, Finanzjournalist und Kolumnist für die junge Welt, legt nun im Kölner PapyRossa Verlag mit seinem neuen Buch »Euroland wird abgebrannt. Profiteure, Opfer, Alternativen« einen umfassenden Erklärungsansatz für die aktuelle Finanz- und Weltwirtschaftskrise vor, der nicht bei bei solchen Oberflächlichkeiten stehenbleibt, sondern auf die prinzipiellen Gründe des ökonomischen Einbruchs zielt: Überakkumulation, Überproduk­tion, Verselbständigung des Finanzsektors.

jW veröffentlicht das erste Kapitel des Buchs in zwei Teilen vorab.

Der sich aufblähende Finanzsektor ist zunächst Ausdruck und zugleich wesentliches Mittel, die gesellschaftliche Mehrwertrate zu erhöhen. Offensichtlich ist der Zusammenhang, daß die ungleicher werdende Einkommensverteilung in der Gesellschaft zu höherem Anlagedruck des Kapitals führt. Die Investitionen im Finanzsektor können somit als Ausweichreaktion des Kapitals interpretiert werden, das vor den als zu niedrig erachteten Renditeerwartungen außerhalb des Finanzsektors flieht. Zugleich ist der Finanzsektor ein wichtiges Mittel, um sowohl die gesellschaftliche Mehrwertrate zu erhöhen, als auch die Profite innerhalb der Kapitalistenklasse in Richtung der Monopole umzuverteilen.

Ein entwickelter, großer Finanzsektor erhöht die Flexibilität des Kapitals. Er dient sozusagen als Schmiermittel beim Prozeß des Ausgleichs der Profitraten. Die Suche nach der höchsten Rendite ist für das Kapital und seine Verwalter bei einem hoch entwickelten Finanzsektor eine billige und wenig Zeit raubende Angelegenheit. Ist der Finanzsektor dagegen wenig entwickelt, dann ist es für das in der industriellen Produktion engagierte Kapital mühsam und langwierig, sich einer lockenden anderen Investition zuzuwenden.

Alles muß ...



Der sich aufblähende Finanzsektor ist zunächst Ausdruck und zugleich wesentliches Mittel, die gesellschaftliche Mehrwertrate zu erhöhen. Offensichtlich ist der Zusammenhang, daß die ungleicher werdende Einkommensverteilung in der Gesellschaft zu höherem Anlagedruck des Kapitals führt. Die Investitionen im Finanzsektor können somit als Ausweichreaktion des Kapitals interpretiert werden, das vor den als zu niedrig erachteten Renditeerwartungen außerhalb des Finanzsektors flieht. Zugleich ist der Finanzsektor ein wichtiges Mittel, um sowohl die gesellschaftliche Mehrwertrate zu erhöhen, als auch die Profite innerhalb der Kapitalistenklasse in Richtung der Monopole umzuverteilen.

Ein entwickelter, großer Finanzsektor erhöht die Flexibilität des Kapitals. Er dient sozusagen als Schmiermittel beim Prozeß des Ausgleichs der Profitraten. Die Suche nach der höchsten Rendite ist für das Kapital und seine Verwalter bei einem hoch entwickelten Finanzsektor eine billige und wenig Zeit raubende Angelegenheit. Ist der Finanzsektor dagegen wenig entwickelt, dann ist es für das in der industriellen Produktion engagierte Kapital mühsam und langwierig, sich einer lockenden anderen Investition zuzuwenden.

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